Das folgende Schreiben bietet eine kurze Übersicht über die syro-malankarische Kirche von der apostolischen Zeit bis zum heutigen Tage.Ihre Geschichte bis zu der historischenWiedervereinigung mit der römisch-katholischen Kirche unter Erzbischof Geevarghese Mar Ivanios im Jahre 1930 wird in Form einer Zusammenfassung dargestellt.Die Geschichte der Einheitsbewegung (Wiedervereinigungsbewegung) unter der Führung von Mar Ivanios, die Entstehung der heutigen malankarisch-katholischen Kirche und ihr enormes Wachstum während der letzen 85 Jahre (1930-2015) sind hier sehr deutlich und ausführlich behandelt.

Die Malankarische Katholische Kirche wurde 1930 nicht völlig ins Leben gerufen. Mit allen Thomaschristen führt sie ihren Ursprung auf die Verkündigung des heiligen Thomas zurück, eines der zwölf Apostel unseres Herren  Jesus Christus. Die Thomaschristen verstanden sich zum 16 bis17Jahrhundert als Glieder der einen, heiligen, katholische und apostolische Kirche, auch wenn sie zu den Christen in Europa und zum Bischof von Rom kaum Kontakt hatten. Erst die Entwicklungen im 16-17 Jahrhundert führten zu Zersplitterung und Spaltung in der Kirche. Im Jahre 1653 gab es einen Aufstand fast aller Thomaschristen gegen die übermäßige Einmischung der Portugiesen in das Leben der Kirche. Die Portugiesen waren in jenen Tagen die kolonialen Machthaber. Dieser Aufstand ist in der Geschichte bekannt als „Coonan Cross Oath“ (Koonankreuzeid).

Die syrisch-jakobitische Kirche und die westeuropäische anglikanische Kirche- Diese Gruppe verlor ihre volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche und wurde bekannt unter dem Namen Puthenkuttukar (Leute der neuen Loyalität). Die andere Gruppe, die die Mehrheit bildete, wurde bekannt als die Pazhayakuttukar (Leute der alten Loyalität), und sie sind heute  dieSyro-Malabarischen Katholiken. Die Geschichte bezeugt mehrere weitere Spaltungen in der Puthenkur  Gemeinschaft. Eine kleine Gruppe bildete die Kirche von Thozhiyur (1772), eine andere Gruppe bildete die reformierten Jakobiten, die man auch Marthomiten nennt (1889), eine vierte Gruppe sind die malankarischen Orthodoxen (1912) und eine Gruppe vereinte sich wieder mit der katholischen Kirche die malankarisch-katholische Kirche (1930); die übrigen bildeten eine eigens eingetragenen Gruppe, die Gesellschaft der jakobitisch-syrischen Kirche (2003).

Aber es gab fortwährend Anstrengungen von der Puthenkuttukar und der Pazhayakuttukar, die verlorene Einheit der Kirche wieder zu gewinnen. Aber keiner dieser Versuche war erfolgreich. Im Jahre 1926 traten die Bischöfe des orthodoxen Teils in ökumenische Verhandlungen mit der römisch-katholischen Kirche ein. Sie beauftragten Bischof Mar Ivanios mit den Verhandlungen zu beginnen. Sie forderten, dass ihre Autonomie erhalten bleiben sollte und dass die Bischöfe das Recht behielten, für ihre Gläubigen zu sorgen, wo immer sie sich befänden. Der hl. Stuhl in Rom war einverstanden, sie in die volle und sichtbare Gemeinschaft aufzunehmen. Ihrerseits stimmen sie zu, den Papst, den Nachfolger des heiligen Petrus anzuerkennen, wie er im Rom des ersten Jahrtausends gesehen wurde. Als Ergebnis der Verhandlungen entstanden eine gegenseitige Anerkennung und Annahme. Der orthodoxe Teil wurde so in die katholische Gemeinschaft als eine Kirche sui juris aufgenommen, d.h als eigenständige Kirche. Auf diese Weise wurde die verlorene volle Einheit von 1653 im Jahre 1930 durch die historische Wiedervereinigung wiederhergestellt. Ein neues Tor war aufgestoßen worden für alle jene, die sich danach sehnten, in die sichtbare und volle katholische Gemeinschaft einzutreten. Natürlich werden alle Teilnehmer an den Verhandlungen in jenen Tagen von der damaligen Lehre der Kirche bestimmt.

Die wiedervereinigte Gruppe bildete sich heraus als eine lebendige christliche Gemeinschaft. Sie wurde eine dynamisch missionarische Kirche. Sie hat ihren eigenen Teil beigesteuert zu einer integeren menschlichen Entwicklung der Menschen in diesem Teil des Erdballs. Es gab im Zuge der Wiedervereinigung eine gegenseitige Bereicherung von römisch-katholischer und malankarischer Kirche. Es war die einzigartige, ökumenische Bewegung des 20 Jahrhunderts, die mit Erfolg gekrönt wurde. Diese Kirche ist zu einer Brücke geworden zwischen der Orthodoxie und dem römischen Katholizismus. Mit der nachkonziliaren Lehre der katholischen Kirche gibt es eine beträchtliche Chance für einen weiteren Dialog und für Verhandlungen mit dem Ziel einer vollen Gemeinschaft auch für die noch getrennten Brüder.

 

Die Syro-malankarische Kirche hat im Jahre 1932 eine eigene Hierarchie erhalten. Es handelte sich aber um eine Kirchenprovinz nach römisch-katholischem (lateinischem) Muster. Man sprach auch nicht von „Kirche“, sondern von Ritus. Das erste Oberhaupt der syro-malankarischen Kirche war Erzbischof Dr. Geevarghese Mar Ivanios. Nach dem Heimgang von Erzbischof Mar Ivanios (+ 1953) leitete die syro-malankarische Kirche ca. 40 Jahre lang Erzbischof Dr. Benedict Mar Gregorios (+1994). Das Erzbistum Thiruvananthapuram (Trivandrum) und das Bistum Thiruvalla lebten neben einander ihr eigenes Leben. Das sollte sich erst durch die jahrelangen Bemühungen von Bischof Zacharias Mar Athanasios(+1977) von Thiruvalla ändern, der in Rom darauf drängte, seine flächenmäßig riesige Eparchie in drei Diözesen aufzuteilen. Schließlich wurde der nördliche Teil zur Eparchie Sultan’s Bathery erhoben, und Pater Dr. Cyril Malancharuvil wurde ihr erster Bischof. Die Eparchie wird z.Zt. von Bischof Dr. Joseph Mar Thomas geleitet. Nach dem plötzlichen Tod von Mar Athanasios, erhielt Thiruvalla gleichzeitig einen neuen Bischof namens Isaac Mar Yuhanon. Im Zuge der Neuordnung erhob Papst Johannes Paul II. die syro-malankarische Kirche kurz vor seinem Tod in  den Rang einer quasi-patriarchalen, groß erzbischöflichen Kirche mit Seiner Seligkeit Cyril Mar Baselios als erster Katholikos und Vorsitzender der Synode der Bischöfe. Damit wurde die Leitung der Kirche nach östkirchlicher Tradition ((Promulgation des Ostkirchenrechtes durch Papst Johannes Paul II. in dem Jahre 1990 - Kodex der Canones der Orientalischen Kirchen)) der Synode der Bischöfe übertragen. Nach dem Tod von Cyril Mar Baselios wurde im Jahr 2007 der bisherige Metropolit von Tiruvalla, Moran Mor Baselios Cleemis (geb.1959) dessen Nachfolger. Im Konstistorium vom 24.November 2012 nahm der Hl.Vater Papst Benedikt XVI. den Vater und das Oberhaupt der Syro-malankarischen Katholischen Kirche H. B. Moran Mor Baselios Cleemis Katholicos als Kardinalpriester mit der „Titelkirche San Gregorio VII“ in das Kardinalkollegium auf. Er ist damit der weltweit jüngste lebende Kardinal. Ausserdem ist er der erste Kardinal in der Geschichte der Syro-Malankarschen Katholischen Kirche. Seit 2010 stehen ihm der Kurienbischof Dr.Thomas Mar Anthonios sowie der Weihbischof Dr.Samuel Mar Irenios zur Seite. Durch Teilung des  Großerzbistums entstand 1996 im Süden Indiens die Eparchie Marthandom in Tamil Nadu, die vom Stamm der Nadars bewohnt  und von Bischof Dr.Vinzenz Mar Paulose geleitet wird und 2007 die Eparchie Mavelikara, die von Bischof Dr.Joshua Mar Ignathios geleitet und 2010 die Eparchie Pathanamthitta, die von Bischof Dr.Yuhanon Mar Chrysostom geleitet wird.

Die seit der Union bestehende Eparchie Tiruvalla erhielt im Jahre 2006 auch den Rang einer Metropolie mit Bischof Thomas Mar Koorilos als Oberhirt, der der erste Bischof der Eparchie Muvattupuzha war. Als Weihbischof dient der Eparchie seit 2010 Dr. Stephanos Mar Philipose. Außerdem verbringt der ehemalige Bischof von Tiruvalla Geevarghese Mar Timotheos, dort seinen Lebensabend. Die Eparchie Muvattupuzha entstand im Jahr 2002 und wird jetzt von Bischof Dr.Abraham Mar Julios geleitet, ferner die Eparchie Puttur entstand im Jahr 2010, die in den Staat Karnataka hineinreicht und wird von Bischof Dr. Geevarghese Mar Divannasios geleitet. Die Jurisdiktion der Synode ist auf das Gebiet der Eparchien der beiden Metropolen eingeschränkt. Für die Malankaren in Indien, die außerhalb dieser Eparchien leben und lateinischen Bischöfen unterstehen, ernannte der Heilige Vater, Bischof Dr. Jakob Mar Barnabas im Jahr 2005 zum Apostolischen Visitator. Die Eparchie Gurgaon (Delhi) entstand im Jahr 2015 und wird jetzt von Bischof Dr.Jacob Mar Barnabas  geleitet.

Für die Malankaren in Indien, die außerhalb dieser Eparchien leben und lateinischen Bischöfen unterstehen, ernannte der Heilige Vater, Bischof Dr. Thomas Mar Anthonios im Jahr 2015 zum Apostolischen Visitator.  Die jüngste Bischofsernennung durch Rom erfolgte 2010, als der Papst für die Syro-Malankaren in den Vereinigten Staaten ein eigenes Apostolisches Exarchat schuf, an dessen Spitze der ehemalige Philosophie Professor Dr.Thomas Mar Eusebios steht. Der Bischof ist auch Apostolischer Exarch für USA und Apostolischer Visitator für die in Kanada und Europa lebenden Syro-Malankarischen Gläubigen.

Das Priesterseminar St. Marien befindet sich in Thiruvananthapuram. Es zählt etwa 215 Alumnen. Verantwortlich für diese akademische Einrichtung sind vor allem der Katholikos und eine aus drei Bischöfen bestehende Kommission.

Der Hauptsitz der syro-malankarischen Kirche ist in Trivandrum, Kerala, Indien.

Dort befindet sich der Catholicate Center, wo die Curia- und Synode der Bischöfe der syro-malankarischen Kirche stattfindet.